Dünnes B

Nachdem ich hier in Berlin kürzlich bei The Hirsch Effekt in der Linse sowie bei Kyuss Lives! in der Columbiahalle einige heitere Erlebnisse mit Vertretern des selbst ernannten Rock’n’Roll-Publikums verbuchen durfte, möchte ich mal den guten Refpolk (neue EP kann man sich hier ziehen) zitieren:

„Du warst mir immer vertraut – ich wusste, hier bin ich zu Hause
wo ich jede Ecke kenne ohne einmal hinzuschauen
deine Bäume, deine Straßen, deine Häuser, deine Gassen
Teil von mir, weil ich hier ein Teil meiner Zeit verbrachte.

Und ich wollte niemals weg – das war keine Frage
denn ich brauchte, um zu leben, nur die Luft hier einzuatmen
und ich wollte niemals geh’n – das stand außer Frage
warum weglaufen vor dir, wenn ich doch hier erst laufen lernte?

Doch was ist aus dir geworden?
Ich gehe deine Wege und ich denke: Was hab‘ ich noch hier verloren?
Du bist einfach grau, du bist eine Gegend ohne Leben und Bewegung
alles wirkt wie in Stein gehau’n.

Leider ist für mich bei dir nicht länger Platz
schade, dass du dich so sehr verändert hast
du bist nix, was mich hält, du bist nicht mehr mein Ort
so fremd, so fremd – bist du mir geworden.“

Word…

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Brachialjammen zur Kunst erheben – Altbau im King Kong Club

kingkongDer Maik und ich hatten letztens Altbau im Demodesaster zu Gast. Ihre Platte gefiel uns da ganz gut, so dass wir uns am Dienstagabend aufmachten, um ihr Record-Release- und zugleich allererstes Konzert überhaupt anzuschauen.

Schauplatz war der King Kong Club in der Brunnenstraße. Da wollte ich ehrlich gesagt schon immer mal hin. Keine Ahnung, was da sonst so läuft, aber der Name ist einfach smoooooth. So stapften wir in diese Musikkneipe alter Schule, mit Aschenbechern auf den Tischen und so vielen Sofas, wie sie einem nicht oft unterkommen. Die müden Knochen freuten sich sehr darüber.

Als Altbau die kleine Bühne eingedenk der sechs Kilometer Luftlinie entfernt spielenden Motörhead mit dem Schlachtruf „Let’s Rock“ enterten, mussten die Knochen dann aber doch rüber auf die Barhocker, weil vom Sofa aus sahen wir nüscht. Jedenfalls nicht den Drummer, der enthusiastisch sein Sonor-Set und viele tolle Becken bearbeitete.

Neben uns hatten sich noch 20 andere Zuschauer eingefunden. Altbau hauten für ihr Publikum eine ganz fein groovende Mixtur aus Weltraummusik, Dub-Clash und Punkrock in den Raum, wenn auch hier und da recht angestrengt. Ob die drei Orgelpfeifen auf der Couch deswegen so gelangweilt dreinschauten?

Mehr als zartes Kopfnicken ließen sich allerdings auch die anderen Zuhörer nicht entlocken. Wir waren da keine Ausnahme: Maiks Fuß wippte ein bisschen, meine Finger trommelten ein wenig, aber ansonsten hingen wir weiter an der Bar rum. Hin und wieder erinnerten Altbau an Earth und Om, dann aber auch wieder an Scooter mit verzerrter Bassgitarre.

Dann stimmte irgendetwas mit der Technik nicht. „Vergiss es! Der Click ist weg“, rief der Drummer zum schwarzgelockten Bassisten. Dabei wäre das Break bestimmt so geil gekommen. Kurzes Abkotzen, flugs wieder eingezählt, und schon rockten beide gemeinsam weiter.

Altbau beendeten ihr Konzert nach etwa einer Stunde mit einem gewaltigen Drone-Part. Die Schar Pubcrawler, die soeben noch überlegt hatte, im King Kong Club ein paar Bier wegzuschlürfen, haute just in diesem Moment wieder rein. Dabei war das doch grad wirklich groß!

Maik meinte danach: „Brachialjammen zur Kunst erheben.“ Da hatte er vollkommen recht. Deswegen habe ich das gleich mal geklaut, Alter.

www.myspace.com/altbaurocks

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Es werde Licht – Die Deftones in Berlin

Die Deftones sind in Topform. Da kann Wuschel Claudio Sanchez im Vorprogramm noch so viele seiner Coheed-and-Cambria-Mythen heruntergniedeln – es sind die Sacramento Five, die an diesem 2. Dezember 2010 in der C-Halle zu Berlin eine Ansage machen. Und was für eine.

Nach „Diamond Eyes“ war das nicht unbedingt zu erwarten: Zwar lieferten die Deftones damit ihr zweifellos schönstes Cover-Artwork ab, inhaltlich ist die erste Platte nach der traurigen Geschichte um Chi Cheng aber eine der schwächeren.

Ganz so, als sei eine solche Aussage nur Banausengeschwätz, bratzt „Rocket Skates“ los. Angriffslustig, breitwandig, tight. Und hieß es in der Vergangenheit auch mal eine ganzes Weilchen Pummelchen Chino – jetzt heißt es Mr. Dauerläufer Moreno. Er springt, er hetzt, er frontet, ist fit wie ein Turnschuh und stimmlich mächtig in Schuss. Die Deftones spielen „Around The Fur“, „My Summer“ und „Be Quiet And Drive“ hintereinander weg, Chinos Silhuette steht im blauen Schein, und es ist einfach nur gewaltig. Was diese Lichtshow wohl kostet?

Scheinwerfer tasten über Bühne und Publikum, in den Kulissen gehen zweihundert Lampen an, es rummst „Diamond Eyes“, es prügelt „Cmnd/Crtl“. Carpenters Gitarre sägt hintergründig fett, Cunnighams Bassdrum und Snare kicken in den unteren Frequenzen. Auf dem Klo werben Aufkleber über den Pissbecken für die „Hymns for Lucifer“, in einer der Kabinen growlt jemand vor sich hin und ist sich, als ein Sicherheitsmann einschreitet, keiner Schuld bewusst ist. Hehehe.

Derweil schwappt „In waves the ships have all sailed“ aus „Bloody Cape“ herüber. „First we are, ever to fall off the earth“ – oh yes! Leider sind die Songs vom großartigen  „Saturday Night Wrist“ nur spärlich vertreten. Dessen einziger Vertreter „Xerces“ gerät dafür holy, und zwar as fuck.

„Minerva“, „Passenger“, „Back To School“ und „Change“ bilden dann das pompöse Schlussquartett des regulären Sets. Nicht unbedingt meine Favoriten, doch was soll’s, wenn man dafür im Anschluss eine derart krasse Zugabe bekommt? Die Deftones erquicken sich an „Adrenaline“ und ballern „Birthmark“, „Engine No. 9“ und „Root“.

Und was dann während des Breaks bei „7 Words“ passiert, ist einfach nur ganz, ganz großes Kino. „BIG FUCKIN BIG FUCKIN APE!“ Bloß tausend mal lauter und death-doom-metalliger. Unfassbar.

So bin ich am Ende denn trunken. Vom Bier und noch mehr vom Glück.

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Ein Kostpröbchen:

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Hex, hex! – Witch House liefert den Suburb-Horror

Witch House, wahlweise auch Glo-Fi, Screwgaze, Ghost Drone oder wie auch immer genannt, is the new shit. Erzählen jedenfalls so einige. „Äußerste Brutalität und Intensität, ein Schmerz und ein Weh, wie ich es seit Jahren nicht mehr gehört hat. Und dabei so frisch, dass man nur noch sagen kann, Dub Step war vorvorgestern“, lobt beispielsweise Soundchecker Andreas Müller „King Night“, das Album der vermeintlichen Szene-Speerspitze Salem, über den grünen Klee. Andere Vertreter sind nicht so flüssig zu buchstabieren. Denn in eben jener Szene etikettiert man sich a la Prince Rogers Nelson auch gern mit geometrischen Symbolen und wirren Zeichenreihen. †‡† zum Beispiel, ///▲▲▲\\\ oder oOoOO. Google versagt da meist für weitere Recherchen. Flankiert wird solch konspiratives Getue von Geschichten um üble Kindheiten in abgewrackten US-Vororten, exzessiven Drogenmissbrauch und Satin-Blazer.

All das gibt zweifellos schon mal eine hübsche Menge Nachrichtenwert und Tuschelpotential her. Die Musik will da dann auch nicht nachstehen: Schleppend, zäh, flirrend und morbide wälzen sich ätzende Klangschleifen dahin, finster, orchestral, ganz tief unten. Ein ums andere Mal die kaputten Gliedmaßen nachziehend. Dass ein Phänomen namens Syrup hierfür die Grundlage gewesen sein soll, also der Versuch, nach dem Genuss von haufenweise Hustensaft ein paar Mixtapes klar zu machen, glaubt man nur zu gern.

GR†LLGR†LL – SaiLoRsbLaCKvirGiNmiLFs

Doch ist das nun wirklich so krass gut, so bahnbrechend, so völlig neu? Das neue Label Witch Glo-Fi Drone Whatever House statt des etwas angestaubten IDM? Schließlich sind so einige Sachen von Architect, Atari Teenage Riot, Aphex Twin, Cocteau Twins oder meinetwegen auch der ersten Sido-Platte soundmäßig gar nicht so weit entfernt.

Aber es stimmt es schon: Auf welche Art und Weise solcherlei Nuancen hier ineinander gepanscht werden, grausam verzerrt bis grindig verträumt, das hat schon was Bedrängendes. Und „U Smile“ von Teenage Monster Justin Bieber in einer mehr als halbstündigen Ambient Variante ist auch nicht von schlechten Eltern.

White Ring – Roses

oOoOO – PCKRFCRMX

Shamantis -U Smile 800% Slower

Wer mehr über das ganze Subgenre-Brimborium um Witchhouse wissen will, der lese einführend mal bei Pitchfork nach. Ach, und Salem spielen am 3. Dezember im Festsaal Kreuzberg zu Berlin. Deren Konzerte sollen übrigens gern auch mal in desaströse Speed-Orgien ausarten. Merkta wat? Noch mehr Tuschelpotential!

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Kitsch, gewusst wie – „Masken“ von NIL

ep-coverEigentlich stehe ich ja so überhaupt nicht auf Indierock. Hin und wieder gibt es aber auch Perlen. Eine davon sind NIL aus Kölle. Die vier mögen Travis, Kool Savas, Bud Spencer und Terence Hill und haben darüber hinaus eine Ep namens „Masken“ draußen. Darauf spielen, schlingern und schmonzetten sie sich durch fünf grandios melodiöse Songs. Gleich das erste Lied „Hunger“ packt mit nervösem Beat, sanft-hektischem Riff und schließlich dieser unglaublichen Hook. „Dann bist du da, dann bist Du da, dann bist Du da, im Dunkeln, im Dunkeln, im Dunkeln…“

Das ist natürlich schrecklicher Kitsch, I know. Aber bei NIL kommt er so herrlich unschrecklich daher, dass verzücktes Schmachten angesagt ist. Denn sie haben ein ziemliches Händchen für ausgewachsenen GitarrenPOP, der aber verschroben genug ist, um nicht zu nerven. Ihre Musik ist einfach und komplex zugleich – sie zündet sofort und entfaltet sich doch erst. All die prächtig verwobenen Gitarrenläufe treiben immer wieder neue Knospen und verwirren und entwirren sich auf so charmante Weise, dass man sich darin schon mal locker verlieren kann. Dazu zippeln die Hi-Hats, knarrt der Bass, schmilzt ein seufzendes Timbre.

Wer mit solch blumigem Quatsch nichts anfangen kann, stelle sich das Zucken von Bloc Party, das Flair von Kante und den Flow von Keimzeit vor, die Hand in Hand in Richtung Post-Rock schlendern. Oder so. Wie dem auch sei, „Masken“ hat was auf dem Kasten. Die Platte rockt und wimmert, sie groovt und berührt. „Es macht Deutschpop gut“, sagen NIL. Da könnte in der Tat was draus werden…

www.myspace.com/nilmusik

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Die Landung der Wuchtbrummen – Shrinebuilder im Berghain

Am vergangenen Freitag war im Berghain zu Berlin mal wieder ein untergrundtief brummender Abend angesagt. Die Superloge des Doom-Metals namens Shrinebuilder lud zum Gastspiel und dank der Lobpreiungen in einschlägigen Gazetten und Feuilletons wollten das nicht nur langbehaarte Kuttenträger, sondern auch Hornbrillenhipster sowie einige Vertreter der örtlichen Musikerprominenz erleben.

Als Vorgruppe waren Brace/Choir angesetzt, die wir schwatzend von der Bar aus durch Plexiglasscheiben anschauten. Derartigem Snobismus setzten sie tänzelnde Wave-Bassläufe, hallige Gitarren-Soundscapes und entrückten Singsang entgegen.

Das sich ob dieser gelungenen Vorstellung anschleichende schlechte Gewissen trollte sich aber abrupt, als die Herren Weinrich, Cisneros, Kelly und Crover heranschlurften und ohne viel Federlesen den Kolloss „Pyramid Of The Moon“ in die Halle walzten. Schwerer noch als auf Platte schleppte er sich voran, so als solle gleich zu Anfang klargestellt werden, was denn nun unter Doom zu verstehen ist: Macht, Massigkeit und die Vertonung des Archaikums.

Glücklicherweise verstand das auch der Mischer und ließ die Tieffrequenzen schön schlammig aus den Boxen quellen. So geriet das ohnehin schon raumfüllende Dröhnen allumfassend, und als dann noch die erschütternd unerschütterlichen Mantren eines Alberto Cisneros umherwaberten, fühlte ich Monströsität und Schwerelosigkeit zugleich. Verrückt!

Ein weiterer Höhepunkt: Das CCR-Cover „Effigy“, dessen Hook sich so wunderbar melodiös in all den Krach schmiegte. Ansonsten jedoch war es wie so oft bei den Konzerten, auf die man sich schon Wochen zuvor freut: Irgendwie fehlt letztlich das letzte Quentchen, das sie zu Ereignissen macht, von dem noch die Enkel erfahren müssen. Das mag zunächst an den eigenen übergroßen Erwartungen liegen. Im Fall von Shrinebuilder fehlte mir jedoch auch die Korrespondenz zwischen Band und Publikum. Auf der Bühne rummsten sie, vor der Bühne starrten sie, so, als sei man hier zu einem Pflichttermin, mit dessen Wahrnehmung man später aber umso kräftiger prahlen kann.

Sicher, Shrinebuilder ließen kaum Raum für Reaktionen, sondern spielten sich ohne Pause durch ihr Programm. Und doch beschlich mich angesichts der größtenteils regungslosen Menge das Gefühl, dass sie ohnehin eher höflichen Applaus als restlose Begeisterung geerntet hätten. Komischer- und vor allem blöderweise geht dann auch immer ein Teil meiner Stimmung flöten.

Ganz so falsch lag ich mit meiner Annahme dann auch nicht, denn als das letzte Gedröhn verklungen war, klapperten die Hände der Anwesenden eher müde, anschließend leerte sich das Etablissement sehr rasch. So standen wir dann etwas verloren herum und lauschten noch dem „What A Wonderful World“, das vom Plattenteller aus durch die Räume hallte. Das wiederum hatte was. Genau wie der mit Wodka versetzte Wackelpudding, den ein Zugereister vor der Halle in kleinen Bechern verkaufte. So löffelten wir denn rote Glibbermasse, während in unseren Ohren noch die Ursuppe rauschte.

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Here we go!

Endlich habe ich mal den Arsch hoch bekommen! Soll heißen: In Zukunft sollen an dieser Stelle mehr oder minder regelmäßig Bemerkungen zum musikalischen Geschehen zu lesen sein.

So long…

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